12 - Wimuttidhamma

Wimuttidhamma Meditationszentrum für Achtsamkeitstraining
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·       FARBMEDITATION
   
Wir sind uns der Farbigkeit unserer Umgebung allzu oft nicht bewusst. Farben sind überall und deshalb so selbstverständlich, dass wir sie kaum wahrnehmen. Am ehesten fallen uns Signal-und Neonfarben auf. Schade eigentlich.
 
Gerade wenn du deine Aufmerksamkeit auf etwas lenkst, das du im Alltag normalerweise nicht bemerkst, kannst du deine Achtsamkeit hervorragend schulen. Auf Farben (und auch auf Licht) zu achten, heißt aber nicht nur, den optischen Reichtum der Welt wahrzunehmen. Über die Welt der Farben kannst du auch deine Bewusstheit für all das schärfen, was damit zusammenhängt, zum Beispiel die Jahreszeiten: Du siehst im Sommerhalbjahr eine schier überwältigende Zahl von Farben, im Winterhalbjahr die >>Nicht-Farben<< Schwarz und Weiss, das Grau-in-Grau und die unterschiedlichen Graustufen selbst. Oder du erkennst, welche Farben schönes oder schlechtes Wetter zu bieten hat oder Morgen-und Abenddämmerung. Entdecke die Welt neu mithilfe der Farben.
 
·       Nimm deine Meditationshaltung ein und konzentriere dich für einige Augenblicke auf deine Atmung. Schließe bei diesem Schritt kurz deine Augen.
 
·       Öffne nun die Augen und versuche, nur die Farben, die dich umgeben, wahrzunehmen also nicht den Schrank oder den roten Schrank, sondern das Rot; nicht die Wolken oder die grauen Wolken, sondern das Grau. Du zerlegst auf dies Weise die Welt in Farbsegmente.
 
·       Es geht dabei nicht darum, mit den Augen wild umherzuspringen wie bei >>Ich sehe was, was du nicht siehst<<. Im Gegenteil, je ruhiger, aufmerksamer und genauer du die Details wahrnimmst, umso besser. Schwenke deinen Blick also nicht von Gegenstand zu Gegenstand, von Farbtupfer zu Farbtupfer, von einem flüchtigen Eindruck zum nächsten, sondern bleibe eine gewisse Zeit bei einer Farbe. Die folgenden Fragen sollen dir bei der Beobachtung helfen:
 
o   Welche Nuancen und Verläufe, Schatten, Übergänge und Grenzen weisen die Farben auf?
 
o   Wie beeinflusst das Licht die Farben? Spielt das Sonnenlicht lebendig auf den Gegenständen vor deinen Augen, oder liegen sie in gleichbleibendem Kunstlicht?
 
o   Achte auch auf Veränderungen. Verdunkeln sich die Wolken? Wie verändert sich der weiße Kondensstreifen eines Flugzeugs am Himmel? Was passiert beim Spiel aus Licht und Schatten auf dem Faltenwurf eines Kleides oder dem Knopf einer Jacke?
 
o   Welch weiteren Farben entdeckst du, welche wiederholen sich?
 
·       Husche nicht über scheinbare Selbstverständlichkeiten hinweg. Gehe langsam und konzentriert vor, bis du jeweils sicher bist, alle Feinheiten wahrgenommen zu haben.
 
·       Beende die Meditation, indem du wieder einige deiner Atemzüge beobachtest und kurz die Augen schliesst.
 
TIPPS UND VARIATIONEN
 
·       Versuche, dir die Farben von Gegenständen vorzustellen, die du nicht siehst: Welche Farbe hat der Rahmen deines Spiegels zu Hause oder der Lampenschirm in der Küche?
 
·       Betrachte ein einzelnes Objekt möglichst genau im Hinblick auf seine Farbgebung, zum Beispiel eine Tasse oder ein Schmuckstück.
 
·       Versuche die Meditation vor einem Gemälde im Museum du wirst eine ganz neue Art der Bildbetrachtung kennenlernen.


GANZHEITLICH WAHRNEHMEN
   
Alles mit allen Sinnen wahrzunehmen, ist die Synthese der vorherigen Übungen. Sie passt gut in Situationen, in denen deine Gedanken sonst um Vergangenheit und Zukunft, um Probleme und Pläne kreisen würden. Mit dieser Übung kannst du gar nicht anders, als achtsam im Hier und Jetzt zu sein solange du nicht wertest.
 
Am besten führst du sie in einem begrenzten, aber anregenden Umfeld durch, etwa in der U-Bahn, in deiner Küche oder im Wartezimmer beim Arzt.
 
·       Bei dieser Übung hast du die Augen geöffnet, und da du dich umschauen und vielleicht mit den Händen tasten wirst, kannst du auf eine Meditationshaltung verzichten. Achte e aber darauf, dass du aufrecht und dabei entspannt sitzt. Entspanne deine Arme und Hände und deine Gesichtszüge. Lasse den Unterkiefer leicht hängen, die Zunge liegt locker in der Mundhöhle.
 
·       Wenn möglich lächle ein wenig, während du dich umschaust.
 
·       Hole einmal tief Luft durch die Nase, halte den Atem für einen kurzen Moment an und lasse die Luft wieder durch die Nase ausströmen. Noch einmal: einatmen, kurze Pause, ausatmen.
 
·       Nun sieh dich um, als hättest du diesen Ort, an dem du dich gerade befindest, noch nie gesehen. Die folgenden Fragen helfen dir, alles ganz genau wahrzunehmen, zum Beispiel in der U-Bahn.
 
o   Wie ist so ein Waggon eigentlich aufgebaut? Wie viele Sitzreihen gibt es, in welcher Richtung sind sie ausgerichtet? Wie groß ist das Abteil?
 
o   Wo befinden sich die Türen, die Haltestangen und Haltegriffe? Wie sind die Notbremsen gesichert? Lassen sich die Fenster öffnen, und wenn ja, wie?
 
o   Wie viele andere Menschen sind noch im Abteil? Ist es hell oder dunkel? Woher kommt das Licht: Durchs Fenster, von der Deckenbeleuchtung?
 
o   Betrachte die Sitzbezüge. Achte auf die Farbe, das Material und das Muster. Streiche über den Bezug des Platzes, auf dem du sitzt. Werte dabei aber nicht. Es ist gleichgültig, ob du die Farbe magst. Es ist, wie es ist.
 
o   Welche Gerüche kannst du unterscheiden?
 
o   Welche Geräusche machen deine Nachbarn, andere Passagiere, der Zug?
 
o   Registriere die Eindrücke um dich herum mit der Neugier eines Dreijährigen – alles neu, alles toll, alles ausgesprochen spannend.
 
·       Wenn deine Gedanken dich forttragen, ist das nicht schlimm – kehre einfach wieder zur Übung zurück.
 
·       Beende die Meditation schließlich mit einem tiefen Atemzug.
Alles Geschaffene ist vergänglich. Strebt weiter, bemüht euch, unablässig achtsam zu sein.
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