16 - Wimuttidhamma

Wimuttidhamma Meditationszentrum für Achtsamkeitstraining
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ANATOMISCH KORREKT ÜBEN
   
Du schulst deine Achtsamkeit auch dadurch, dass du Körperübungen korrekt ausführst und die Rückmeldungen deines Körpers beachtest. Wenn du die falschen Muskelgruppen aktivierst, können sich ungünstige Haltungs und Bewegungsmuster verstärken und die eigentlich beabsichtigten Wirkungen nicht eintreten. In diesem Buch findest du nur ganz sanfte, einfache Übungen, aber halte dich trotzdem an die Übungsanleitungen, auch um zu verstehen, worum es beim jeweiligen Bewegungsablauf geht, und lerne deinen Körper Schritt für Schritt besser kennen.
 
Führe die Yoga und Qigong-Übungen immer langsam, bewusst und exakt aus. Du wirst mit der Zeit lernen, Körperübungen aller Art achtsam so zu dosieren, dass dein Organismus jedes Mal ein Stück kräftiger, lebendiger und heiler wird.
 
 
MIT DEM ATEM ÜBEN
   
Der Atem wird seit vielen Tausend Jahren und in verschiedensten Kulturen als Schlüssel zur Innenschau benutzt, so auch im Yoga und Qigong. Er ist auch der Spiegel der Seele, denn jede Regung in unseren Emotionen wird in der Qualität und Tiefe des Atems sichtbar. Wie du dich fühlst und wie du atmest, ist eng miteinander verknüpft. Daher versuchen wir bei den achtsamen Körperübungen nicht, den Atem in irgendeiner Weise zu manipulieren, sondern sehr respektvoll mit ihm umzugehen. Nimm deinen Atem einfach wahr, greife seinen Rhythmus auf und setze ihn in achtsam Bewegung um.
 
 
WIE DU BEWEGUNG UND ATEM VERBINDEST
   
Eine neue Bewegungsübung gleich in Verbindung mit dem Atem auszuführen, kann unnötig anstrengend sein. Übe daher die jeweilige Bewegung zunächst wie in Zeitlupe, während du den Atem ganz natürlich fließen lässt. Bitte nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst, um ein Gefühl für die Übung zu bekommen. Beginne erst dann, die Bewegung mit dem Atem zu verbinden. Das unterstützt dein üben auf zweierlei Weise: Zum einen werden die Bewegungen automatisch langsamer, dadurch kann deine Achtsamkeit in Ruhe die Körperempfindung erfassen und subtile Veränderungen wahrnehmen. Zum anderen ist für die Verbindung von Bewegung und Atem ein hoher Grad an Konzentration erforderlich. Du wirst merken, dass du dich in kurzer Zeit ruhig und gesammelt fühlst.
 
Es geht in den Übungen nicht darum, die Atmung gezielt zu verändern. Wenn du die Übungen achtsam und atemsynchron ausführst, wird der Atem auf ganz natürliche Weise tiefer und langsamer. Da Atmung und Herzschlag gekoppelt sind, verlangsamt sich auch deine Pulsfrequenz, der Blutdruck sinkt, dein ganzer Organismus kommt zur Ruhe und kann sich erholen.
 
 
MIT GRENZEN UMGEHEN
   
Wie Menschen mit ihren Grenzen umgehen, ist sehr verschieden. Manche scheuen sich davor, ihren Körper zu fordern, und schrecken vor Anstrengungen zurück. Ihnen mangelt es eher an Antrieb und Energie. Andere neigen dazu, die Signale deines Körpers zu übergehen, und fordern sich mehr, als ihnen letztlich guttut. Sie riskieren Verletzungen und auf lange Sicht betreiben sie Raubbau an ihrem Körper.
 
Bei achtsamen Körperübungen ist es wichtiger, auf die Rückmeldungen des Körpers zu achten, als die Übungen besonders lange oder mit viel Kraft auszuführen. Es geht nicht um die Quantität, sondern um die Qualität der Bewegung. Es geht um Aufmerksamkeit. Das Ziel besteht darin, immer wieder mithilfe der Rückmeldungen des Körpers den jeweils stimmigen Grad an Belastung zu finden. Suche jeden Tag aufs Neue die gesunde Wohlspannung deines Körpers, so wie ein Geigenspieler, der sein Instrument auch immer wieder neu stimmt. Gebe dir bewusst die Erlaubnis, respektvoll mit den aktuellen Grenzen deines Körpers umzugehen. Je achtsamer du übst, desto klarer wirst du spüren, was dir wirklich guttut.
 
Sobald du merkst, dass du dich verspannst, versuche das zu korrigieren: Lasse den Atem wieder gleichmäßig fließen, richte den Körper korrekt aus und entspanne Kiefer und Gesichtsmuskulatur.
 
Wenn du nah an deiner Grenze übst, musst du das im Verlauf einer Übung mehrmals wiederholen. Ist das nicht mehr möglich oder stellen sich diese Anzeichen umgehend wieder ein, schließe die Übung ab. Wenn du dich einer Grenze näherst, spüre noch etwas genauer in deinen Körper hinein. Erhöhe die Tiefenschärfe deiner Beobachtung und lasse die Bewegungen feiner werden. So kannst du ganz genau wahrnehmen, wie weit dein Köper im Moment zu gehen bereit ist.
 
Empfehlungen für Bücher und CDs mit Yoga- und Qigong-Übungen, mit deren Hilfe du das achtsame Üben vertiefen und die körperlichen Herausforderungen steigern kannst,
 
 
DIE INNERE EINSTELLUNG BEIM ÜBEN
 
 
MITGEFÜHL MIT SICH SELBST
 
Viele Menschen empfinden mehr Mitgefühl für andere als für sich selbst. Sie engagieren sich gerne im Beruf und kümmern sich nach Kräften um ihre Familie. Währenddessen sorgen sie oft nicht gut für ihren eigenen Körper und achten zu wenig auf ihre Bedürfnisse. Sie nehmen vieles einfach hin: Die regelmäßigen Kopfschmerzen, die Erschöpfung, die Schlaflosigkeit. Manchmal beschleicht sie vielleicht das Gefühl, Tag für Tag in einem Hamsterrad zu rennen, das ihre Kräfte aufzehrt – und trotzdem treiben sie sich weiter gnadenlos an.
 
Mitfühlend mit sich selbst zu sein, hat nichts mit Selbstmitleid, Schwäche oder Egozentrik zu tun, im Gegenteil. Es bedeutet schlicht zu erkennen, was dir schadet und woran Körper und Geist leiden. Der Schlüssel zum Mitgefühl liegt darin, dass du beginnst, auf deinen Körper zu achten und ihn liebevoll anzunehmen. Das übst du, indem du Körperübungen achtsam und wohlwollend ausführst und immer öfter mit einem gestärkten, gewärmten Körper und einem wohligen Gefühl von deiner Übungsmatte aufstehst. Mit der Zeit wirst du automatisch auch mehr und mehr Situationen und Verhaltensweisen in deinem Alltag loslassen, die dir schaden, und neue Wege finden, die dich heiler und zufriedener werden lassen.
 
 
EIN NEUES VERHÄLTNIS ZUM KÖRPER ENTWICKELN
 
Manche Menschen haben ein negatives Bild von ihrem eigenen Körper, weil er nicht jener gesellschaftlichen Norm entspricht, die derzeit in den Medien zelebriert wird. Wenn du einen Baum betrachtest, wirst du bemerken, dass sein Stamm nicht ganz ebenmäßig gewachsen ist, seine Äste nicht symmetrisch sind. Der Baum ist nicht perfekt, und doch nimmst du ihn in seiner Einzigartigkeit wahrscheinlich als schön und harmonisch wahr. Übe dich darin, deinen Körper auf die gleiche wohlwollende Weise zu betrachten.
 
Bewerte und vergleiche dich während der achtsamen Körperübungen nicht, sondern versuche, dich selbst in jedem Moment als vollwertig zu erkennen und anzunehmen. Begegne deinem Körper immer wieder wertschätzend und wohlwollend. Anstatt seine einzelnen Teile von außen kritisch zu beäugen und zu beurteilen, lerne mit den achtsamen Körperübungen, die Perspektive zu wechseln und deinen Körper von innen heraus als ein lebendiges Ganzes zu spüren, sich mit ihm anzufreunden und ihn anzunehmen als das, was er ist: Das Wertvollste, das du hast.
 
 
 
 
BEGEGNEN SIE IHREM KÖRPER MIT FREUNDLICHKEIT!
 
Der menschliche Körper liebt Bewegung, und daher ist jede Übung, die du machst, schon ein kleines Geschenk an ihn. Übe immer wieder ein inneres Lächeln (Seite 69) während der Haltungen. Das kann zusätzlich eine weiche, liebevolle Qualität in dein Üben bringen.
 
Alle Übungen zur Körperwahrnehmung und Atmung, speziell auch der Bodyscan (Seite 126) können wichtige Hilfen sein, um die freundliche Einstellung zu deinem Körper zu stärken.
 
 
DER WOHLWOLLENDE BEGLEITER
 
Lasse dich nicht von deinem inneren Kritiker beeinflussen, jener antreibenden oder abwertenden Stimme in deinem Kopf (Seite 68). Glaube ihr nicht und schenke ihr keine Aufmerksamkeit. Formuliere stattdessen Sätze, die von einem wohlwollenden Begleiter stammen könnten.
 
Solche Affirmationen beinhalten hilfreiche, unterstützende Botschaften und Erlaubnisse, zum Beispiel:
 
·       >>Ich darf die Dinge in meinem eigenen Rhythmus tun.<<
 
·       >>Ich darf meine Grenzen respektieren.<<
 
·       >>Ich darf gut für mich sorgen.<<
 
·       >>Ich darf mich in meinem Körper zu Hause fühlen.<<
 
·       >>Ich mag meinen Körper.<<
 
·       >>Ich darf es mir gut gehen lassen und mein Leben genießen.<<
 
 
Schreibe den Satz, der dich persönlich spontan am meisten anspricht, auf eine schöne Postkarte. Stelle diese an deinem Übungsplatz auf oder lege sie (etwas unauffälliger) als Erinnerung in eine Schublade, die du regelmäßig öffnest.
 
Rufe dir deinen bevorzugten wohlwollenden Erlaubnissatz regelmäßig vor und während der Übungen ins Bewusstsein. Das kann sehr hilfreich sein, um deine inneren Kritiker zu mäßigen und ein freundliches, mitfühlendes inneres Klima entstehen zu lassen.
Alles Geschaffene ist vergänglich. Strebt weiter, bemüht euch, unablässig achtsam zu sein.
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