17 - Wimuttidhamma

Wimuttidhamma Meditationszentrum für Achtsamkeitstraining
Direkt zum Seiteninhalt
VOM ANNEHMEN UND LOSLASSEN
 
 
Achtsam wahrzunehmen, ohne zu bewerten hast du schon geübt. Nun geht es um bewusste Veränderung, um eine gelassene, wertschätzende und liebevolle Haltung sich selbst und anderen gegenüber auch in herausfordernden Situationen.
 
 
Du lernst in der Meditation, deine Erfahrungen einfach nur zu beobachten und mit ihnen zu verweilen, anstatt sie anders haben zu wollen. So entsteht allmählich Raum für Veränderung. Dies wird sich auch positive auf deinen Alltag auswirken. Denn wenn du problematische Situationen annimmst, anstatt sie kategorisch abzulehnen, setzt du nicht mehr die üblichen Stressmechanismen in Gang. Dasselbe gilt auch für positive Erfahrungen, von denen wir normalerweise nie genug bekommen können. Die Lust am Angenehmen sorgt dafür, dass wir oft mehr von einer besseren Zukunft träumen, als im Jetzt präsent zu sein. Auch hier gelingt es uns durch die Meditationsübung, dieses ständige mehr-Haben-wollen zu erkennen und uns allmählich davon zu lösen.
 
 
ACHTSAM DENKEN
 
In diesem Kapitel geht es vor allem darum, sich der eigenen Gedanken und Gefühle bewusst zu werden und in Zukunft achtsamer mit ihnen umzugehen. Wahrscheinlich bist du gerade während der Meditationen mit der Vielzahl deiner Gedanken in Kontakt gekommen, die dir durch den Kopf jagen. Hast du dabei bemerkt, wie viele davon dir unangenehme Gefühle bereiten? Gedanken und Gefühle beeinflussen sich gegenseitig stark. Um einen achtsamen Umgang mit ihnen zu entwickeln, ist es sehr wichtig zu erkennen, was du denkst und wie viel davon vielleicht negativer Natur ist. Gedanken, die uns nicht bewusst sind, sind besonders machtvoll.
 
 
DER INNERE BEOBACHTER
 
Sowohl im Alltag als auch während der Meditation werden wir durch unsere Gedanken und Gefühle immer wieder aus der Gegenwart fortgetragen, besonders durch die traditionelle Achtsamkeitsmeditation (Seite 109) lernst du, das zu bemerken, innerlich einen Schritt zurückzutreten und die Position eines inneren Beobachters einzunehmen. Das heißt, du betrachtest alles, was geschieht, aus einem gewissen Abstand heraus. Normalerweise neigen wir dazu, uns mit unseren Gedanken und Gefühlen zu identifizieren und auf immer gleiche Weise automatisch auf sie zu reagieren. Hier kann uns der innere Beobachter helfen, die nötige Klarheit zu gewinnen.
 
 
Mithilfe des inneren Beobachters kannst du lernen, die Lücke zu finden, die zwischen einem Auslöser (zum Beispiel: Dein Partner kommt zu spät zur Verabredung) und der gewohnten, verinnerlichten Reaktionsweise liegt (du hast den Rest des Abends schlechte Laune). Du kannst dies Lücke nutzen, um Ihre Gedanken ziehen zu lassen, weil du die Situation eh nicht mehr ändern kannst.
 
 
DIE GEDANKEN ENTMACHTEN
 
Das Leben wird sehr stark gefärbt durch unsere subjektive Wahrnehmung und durch die Gedanken, die daraus entstehen. Achtsamkeit kann dir dabei helfen, das Leben so anzunehmen, wie es ist, ohne es ständig zu bewerten. Dann entscheidest du, welchem Gedanken du deine Aufmerksamkeit schenkst und welchem nicht. Wachst du zum Beispiel morgens mit den Gedanken auf: >> Mir ist alles zu viel! Könnte ich doch einfach im Bett liegen bleiben und mir die Decke über den Kopf ziehen << Nimm diese in Zukunft nur achtsam wahr, anstatt sich hineinzusteigern und in Selbstmitleid zu verfallen. Du stehst einfach auf und beginnst deinen Tag.
 
 
Genauso kannst du verfahren, wenn dir zum Beispiel dein ungeliebter Nachbar einfällt. Ohne Achtsamkeit auf deine Gedanken könntest du vielleicht folgendes denken: >> Herr X ist so ein Idiot, immer parkt er sein Auto so, dass ich kaum in meine Garage fahren kann<<! Während du dir ausmalst, wie du ihn das nächste Mal zur Schnecke machst, fängt dein Puls an zu rasen, dir wird heiß, und dein Ärger steigert sich immer mehr. Vielleicht stellst du dir noch vor, wie Herr X dir eine unverschämte Antwort gibt und wie dann die Hölle losbricht! Im Nullkommanichts hast du Gedankenketten gesponnen und ein regelrechtes inneres Drama aufgebaut.
 
 
Gedanken lassen sich nicht stoppen, denn es liegt nun mal in der Natur unseres Geistes zu denken. Doch wir können uns entscheiden, die Gedanken loszulassen, statt uns von ihnen hinwegtragen zu lassen oder sie für bare Münze zu nehmen. Gedanken sind nämlich keine in Stein gemeißelten Wahrheiten. Sie sind lediglich Bestandteile unserer geistigen Landschaft.
 
Wenn du im Geiste viele solcher eben beschriebenen Dialoge führst, sei es mit dem Vorgesetzten oder deiner Mutter, wird dir die Übung >>Gedanken wie Wolken ziehen lassen<< (Seite 180) guttun. Vielleicht nimmst du durch die Übung >>angenehm oder unangenehm<<? (Seite 183) zum ersten Mal überhaupt wahr, wie negative du oft denkst? Dies ist die Voraussetzung, um schwierige Gedanken loszulassen.
 
 
BESONDERS HARTNÄCKIGE GEDANKEN
 
Wahrscheinlich kennst du auch solche Gedanken, die besonders hartnäckig und emotional so stark besetzt sind, dass du es einfach nicht schaffst, sie nur zu beobachten, sosehr du dich auch bemühst. Gelingt es dir jedoch, diese Gedanken als solche zu erkennen und zu benennen, bevor du vollends von ihnen fortgespült wirst, hast du bereits viel gewonnen. Im Laufe der Zeit wirst du erkennen, dass es trotz aller Achtsamkeit immer mal Zeiten gibt, in denen du deprimiert, ängstlich, neidisch, eifersüchtig, verzweifelt oder wütend bist. Ebenso wird es Phasen geben, in denen du Stress hast oder dich von der Routine des Alltags gelangweilt oder erdrückt fühlst. Die Dramen des Lebens kommen und gehen, aber die Zeitspannen, in denen du von ihnen beherrscht wirst, lassen sich durch Achtsamkeit drastisch verkürzen. Wenn du also in Zukunft destruktive, lähmende oder Stress auslösende Gedanken achtsam wahrnimmst und diese einfach vorbeiziehen lässt, ohne sich mit ihnen zu identifizieren, dann verlieren diese Gedanken nach und nach ihre Macht über dich.
Alles Geschaffene ist vergänglich. Strebt weiter, bemüht euch, unablässig achtsam zu sein.
Zurück zum Seiteninhalt